Wann du deine ToDo-Liste schreddern solltest – auch wenn du viel zu tun hast

Ina blickt aus dem Fenster, hinter dem die letzten Birkenblätter im Laternenlicht taumeln. Sie massiert ihren ​verspannten Nacken mit den Fingerspitzen und schaltet ihren Laptop aus. Schon wieder ist eine betriebsame Woche vorbei, doch womit ist sie eigentlich weiter gekommen?

Das Jahresende ist nicht mehr weit, obwohl ihr scheint, als hätte sie erst vor kurzem mit kribb​elndem Krimsekt auf das neue Jahr angestoßen. Und auf die Veränderungen, die sie ​sich wünscht.

Mehr Sport wollte sie machen. Mehr mit ihren Lieblingsmenschen unternehmen. Und auch auf Arbeit sollte sich dringend etwas ändern – weniger Stress, weniger Routine, mehr Anerkennung. Und wenn ​​das im bisherigen Job nicht ​​möglich war, warum nicht noch mal etwas Neues wagen? Ina hat die Fünfzig überschritten, da will sie keine Kompromisse mehr eingehen. Sie will wesentlich leben, wie das ihre Lieblingsautorin Ulrike Scheuermann nennt.

Was ist aus ihren Vorsätzen geworden? Wenn sie ehrlich ist, wenig. Im Januar und Februar hatte sie zwar einen Fitness-Club gebucht, ihn jedoch bald wieder aufgegeben. Nicht zu reden von den vagen Ideen einer beruflichen Veränderung, die sie nicht weiter verfolgt hat.

Ina wirft einen Blick auf ihre ToDo-Liste und zieht die Mundwinkel herunter. 44 Aufgaben stehen auf ihrer Liste, 10 davon hat sie die Priorität A gegeben. Sie spürt das Gefühl der Schwere, das sich in ihrem Körper ausbreitet. Unlust – ja, das ist es, was sie empfindet.

"Warum klappt das nicht mehr?", fragt sie sich. Mit Aufgabenplanung, Priorisierung und einer guten Portion Hartnäckigkeit hat sie all die Jahre vieles gestemmt. Doch nun spürt sie, dass ihr Zeitmanagement sie nicht mehr weiter bringt, sondern eher zu Boden zieht. So viel sie auch rotiert, ihre ToDo-Liste wird nicht kürzer. Im Gegenteil.

So wie Ina geht es vielen Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Warum? Weil wir dann zunehmend spüren, wie kostbar unserer Lebenszeit ist.

Uns wird immer wichtiger, Dinge nicht nur effizient zu erledigen, sondern vor allem die Dinge zu tun, die sich gut und richtig anfühlen. Deshalb kann es gut sein, dass altbewährte Methoden des Zeitmanagements nicht mehr greifen.

Es gibt nichts Sinnloseres als etwas effizient zu tun, das überhaupt nicht getan werden sollte. (Peter Drucker)

Wenn du ähnlich wie Ina einen Berg ungeliebter Aufgaben vor dir siehst und oft lustlos durch den Tag gehst, lade ich dich zu einem spielerischen Experiment ein. Es besteht aus drei einfachen Schritten.

1. ​ToDo-Liste schreddern

Falls du dich nicht dazu durchringen kannst, lege sie ganz unten in ein Schubfach oder in einen Ordner auf deinem Desktop, den du „Kann weg" oder so ähnlich nennst. Und keine Sorge, die dringendsten Aufgaben heben sowieso von allein wieder den Kopf.

​2. ​Lustliste ​entwerfen

Schreibe ​​zehn kleine Dinge auf, die dir Freude machen. Sie sollten etwa zwischen einer halben Stunde und einem halben Tag dauern. Ordne sie danach, wie sehr sie dich im Augenblick anziehen. 

Meine Lustliste

  • ​​Sauna
  • Ins Kino gehen
  • Lieblingsmusik hören bei Tee und Kerzenschein
  • Krimi weiterlesen
  • Mit Anna telefonieren
  • Mit Freunden auf den Weihnachtsmarkt
  • Tango tanzen
  • Lavendel-Schaumbad
  • Einen Drachen bauen
  • Yoga

​3. ​Termine mit dir selbst vereinbaren

​Reserviere jede​m einzelnen Punkt auf deiner Lustliste einen verbindlichen Zeitschlitz im ​Kalender. Ganz so, als ob du dich mit dir selbst verabredest. Fürs erste reicht es, wenn du eine oder zwei Aktionen pro Woche anpeilst. 

Und nach einem Monat kann es gut sein, dass du wieder öfter lächelst. Dann holst du deine ToDo-Liste aus der Verbannung und streichst großzügig die Hälfte der Aufgaben. ​Wetten, dass dir die restlichen wieder leichter von der Hand gehen? Vielleicht bekommst du eines Tages sogar Lust darauf, dein Job-Veränderungsprojekt ​anzupacken.

​Lass es dir gut gehen!

Christine Radomsky

Träumst Du von einem Neuanfang im Job? Dr. Christine Radomsky begleitet Fachexperten und Führungskräfte 50plus zu ihrem erfolgreichen beruflichen Neustart. Tiefe und späte berufliche Umbrüche kennt sie aus eigenem Erleben: Von der Physikerin zur Softwareentwicklerin und Validiererin, von der Teamleiterin zum Coach. Sie ist Spezialistin für Selbstführung und lebenslange Persönlichkeitsentwicklung. Für lebenserfahrene Menschen im beruflichen Umbruch, die in einer Welt schnellen Wandels erfüllter leben wollen, leitet sie Online-Workshops - gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Michael Radomsky. Auf ihrem SinnCoach-Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Anregungen für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.

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