Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand? Buchtipp

X-10. Als der Ingenieur Wolfgang S. diese Zeile in sein neues Notizbuch schrieb, lagen ​noch genau zehn Tage bis zum letzten Arbeitstag vor ​ihm.

Gern hätte er noch weitergearbeitet oder zumindest einem Nachfolger sein Knowhow übergeben. Doch sein Arbeitgeber, ein großer Energiedienstleister, war daran nicht interessiert. Er erwartete nur, dass ​der Ingenieur vor dem Übergang in die passive Phase der Altersteilzeit ein paar Dat​eien archivierte und d​ie ​restlichen ​99 % ​von seinem PC löschte. ​Das klingt einfach, doch ...

Brücke: Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand?

Emotionale Achterbahn und Trauerfall

​Die emotionale Achterbahn​, die ​der Ingenieur beim Löschen der Dateien eines ganzen Arbeitslebens erlebte, hielt er in seinem Ausstiegstagebuch fest. Tag für Tag. Er fühlte sich, als ob er „virtuellen Suizid“ beginge. Der Abschied vom Beruf erwies sich als handfester Trauerfall.

Heute hat sich Wolfgang Schiele eine neue berufliche Identität aufgebaut. Als Ruhestandscoach und Trainer gestaltet er Workshops, in denen er Menschen anregt, sich rechzeitig auf ihre späte Freiheit vorzubereiten. 

Diese Erfahrungen wie auch seine persönlichen Erlebnisse hat er in ein lesenswertes Buch gegossen​. Es heißt „Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand? - Wegweisende Impulse zur aktiven Gestaltung der dritten Lebensphase" und wurde im Springer-Verlag veröffentlicht.

Das Buch

​... wendet sich vor allem an Berufstätige 60+, die ihren Beruf lieben, bis zuletzt Vollgas geben und das Thema Ruhestand bisher verdrängt haben. Doch auch jene profitieren von ​seinen Anregungen, die ​schon heute konkrete Pläne für die nachberufliche Phase schmieden oder bereits Ruheständler sind.

Gehörst du zu einer dieser Gruppen? Dann lege ich dir dieses nachdenkliche, respektvolle und optimistische Buch ans Herz. Es spannt einen weiten Bogen.

Buch Wolfgang Schiele

Zunächst beleuchtet der Autor den Abschied vom Berufsleben und verrät dem Leser, welche Ruhestandsfallen auf ihn lauern.

Danach lädt er zur Wiederentdeckung ​unserer Kindheitsträume, zum selbstbestimmten Lernen und neuen Zielen ein. Anschließend wirft er einen Blick auf oft unterschätzte Alterskompetenzen.

Er schließt mit der Kunst, im Ruhestand aufzublühen. Mit unserer Endlichkeit im Blick jeden Tag auszukosten und sinnerfüllt zu gestalten.

Ich habe das Buch meines Coach-Kollegen mit Vergnügen gelesen. Im Gegensatz zu traditionellen Ruhestands-Ratgebern kommt es modern, gut strukturiert und umfassend daher. Doch vor allem ist es praxistauglich. Was mir im einzelnen daran gefällt, liest du in meiner Rezension auf Amazon. 

​Ratlos im Ruhestand? ​​Drastische Veränderung wird oft unterschätzt.

​Sieht jeder den Abschied vom Beruf als Trauerfall? Wohl kaum.

Manche Menschen freuen sich​, weil sie sich ​jetzt besser um ihre Gesundheit kümmern können oder mehr Zeit für die Enkel haben. Andere, weil sie alte oder neue Träume wahr machen wollen: Ferne Länder erkunden, eine Sprache, ein Instrument oder Handwerk erlernen, den Garten gestalten, als Grandma Aupair oder Senior Experte im Ausland arbeiten, ein eigenes Business starten, endlich alle Bücher der Lieblingsautorin lesen, ein Buch schreiben…

​Doch eine einschneidende Veränderung ist der Abschied vom Beruf allemal. ​

Warum? Mit unserer beruflichen Rolle verlieren wir ​von heute auf morgen Aufgaben, Verantwortung und Tagesstruktur, ​soziale Kontakte und Anerkennung. „Abtrainieren“ wie bei Leistungssportlern ist nicht vorgesehen.

​Bilder und Überzeugungen in unserem Kopf

Nicht das Alter ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu. Marcus Tullius Cicero.

Außerdem sind Altersbilder oft noch defizitorientiert – in der Gesellschaft und in unseren eigenen Köpfen. Zwar haben Neurowissenschaftler ​vielfach nachgewiesen, dass das menschliche Gehirn lebenslang plastisch und lernfähig ist.

Entwicklungspsychologen staunen über die vielen wertvollen Kompetenzen und Potenziale lebenserfahrener Menschen. Immer öfter hören und lesen wir von Menschen wie du und ich, die sich in der dritten Lebensphase weit aus der Komfortzone wagen, weil sie Freude an selbstbestimmten Projekten haben.

Dennoch halten sich einschränkende Überzeugungen, was Menschen jenseits der 60, 70, 80 noch neu lernen und angehen können. Gut zu wissen, dass sich neue, hilfreiche Überzeugungen aufbauen lassen. 

So lange wir leben, ist es nie zu spät, unsere Potenziale ​zu entfalten und Träume wahr zu machen.

Erinnerst du dich? Als wir vor Jahrzehnten in den Beruf einstiegen, bekamen wir Berufsberatung und jede Menge Unterstützung. Der Abschied vom Beruf wird uns ebenso tiefgreifend verändern, doch dabei ​sind wir meist auf uns allein gestellt. Das muss nicht so sein – einige Unterstützungsangebote gibt es. 

Liebe Leserin, lieber Leser, wie wird es dir einst gehen, wenn du Abschied vom Beruf nimmst? Welche Gedanken schießen dir spontan durch den Kopf, wenn du an deine späte Freiheit denkst?

​Falls du bereits im Ruhestand bist – wie hast du den ​Übergang erlebt? Und wie erfüllt sind deine Tage heute?

​Lass es dir gut gehen! ​
Christine

Christine Radomsky

Träumst Du von einem Neuanfang im Job? Dr. Christine Radomsky begleitet Fachexperten und Führungskräfte 50plus zu ihrem erfolgreichen beruflichen Neustart. Tiefe und späte berufliche Umbrüche kennt sie aus eigenem Erleben: Von der Physikerin zur Softwareentwicklerin und Validiererin, von der Teamleiterin zum Coach. Sie ist Spezialistin für Selbstführung und lebenslange Persönlichkeitsentwicklung. Für lebenserfahrene Menschen im beruflichen Umbruch, die in einer Welt schnellen Wandels erfüllter leben wollen, leitet sie Online-Workshops - gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Michael Radomsky. Auf ihrem SinnCoach-Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Anregungen für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.

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