Frust im Job: Was tun? (Teil 2 der Serie)

Verbringst Du Jahr für Jahr mehr als 1500 Stunden in einer Firma, die Dir nicht gehört? Bewegst Du Projekte, leitest Teams oder löst knifflige technische Probleme?

Und Hand aufs Herz: Fühlst Du Dich im Job oft frustriert wie so viele Menschen? Welcher Smiley dieser kleinen Skala trifft am besten, wie zufrieden und erfüllt Du arbeitest?

In Teil 1 unserer Serie zu Frust im Job hast Du erfahren, was Stefan erlebt hat - ein Teamleiter in einem Technikkonzern. Hast Du die drei Einstiegsfragen zur Selbstreflexion schon für Dich beantwortet?

  • Wie fühlst Du Dich, was spürst Du im Körper?
  • Was kannst Du für Dich tun, damit sich Körper, Geist und Seele wohl fühlen?
  • Wer sind Deine Verbündeten, mit denen Du Dich gegenseitig unterstützt - nicht nur fachlich, sondern auch emotional?

Hier in Teil 2 lernst Du drei wirksame Selbstreflexionen kennen, mit denen Du Deinem Jobfrust auf die Schliche kommst.

In Teil 3 der Serie lade ich Dich zu zehn Selbst-Coaching-Fragen ein. Sie helfen Dir, erfüllter und zufriedener zu arbeiten. 

Stress und Frust im Job: Was tun

1. Frust im Job? Skizziere ein Bild Deiner Situation


Simple Skizzen bringen eine Problem oft knackiger auf den Punkt als viele Worte. Vielleicht ziehst Du jetzt die Augenbrauen hoch und sagst, dass Du nicht zeichnen kannst? Dann bist Du nicht allein. Viele Menschen glauben das von sich - besonders in technischen Berufen. Es lohnt sich trotzdem, es zu versuchen.

Hast Du Lust zu diesem kleinen Experiment? Schnapp Dir einen Stift und ein Blatt Papier und zeichne spontan in etwa zehn Minuten, was Dir zu Deiner beruflichen Situation einfällt. Es gibt kein richtig oder falsch. Gib einfach Deinen Impulsen nach.

Stefan zeichnete sich und sein Team als Strichmännchen, die sich an den Mast eines leck geschlagenen Bootes klammern. Hohe Wellen türmten sich rings um sie auf. Wie sieht DEIN Bild aus?


2. Wozu ist gut, dass die Lage ist, wie sie ist?

Vermutlich klingt diese Frage zunächst seltsam. Wozu soll gut sein, dass Du Dich im Job frustriert, gestresst oder gelangweilt fühlst, fragst Du Dich. Doch sicher gibt es etwas, was Dich in dieser Situation hält, oder?

Stefan entdeckte gleich mehrere Motive:

  • Berufliche Anerkennung, vertraute Arbeitsfelder und Abläufe
  • Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung im Team
  • Angst davor, sich mit seinem Chef auseinanderzusetzen
  • Angst vor der Ungewissheit eines beruflichen Neuanfangs
  • Das komfortable Gehalt, mit dem er seine Eigentumswohnung finanzierte

3. Prüfe Dein Mindset: Opferhaltung oder Selbstverantwortung?

Schreib auf, wer oder was Deinen Frust im Job verursacht. Was genau belastet Dich, was läuft anders als Du möchtest? Einfach zusammentragen und nicht lange nachdenken.

Vielleicht ärgerst Du Dich über die nachlässige Arbeit eines Mitarbeiters. Vielleicht bist Du unzufrieden, weil Du fast täglich zehn Stunden in der Firma verbringst und kaum noch Zeit für Familie, Freunde und Sport hast. Oder weil Dein Chef über Deinen Kopf hinweg Mitglieder Deines Teams mit anderen Arbeiten betraut oder laufend die Prioritäten ändert.

Anschließend sortiere die Auslöser Deines Frustes in drei Zonen:

Zonen der Verantwortung: Was kann ich verändern

Rot: Verantwortungszone. Hier liegt in Deiner Hand, zu verändern, was Dich stört. Die 10 Arbeitsstunden pro Tag als Dauerzustand gehören in diese Zone. Du zweifelst? Bindet Dich jemand an Deinem Schreibtisch fest?

Orange: Einflusszone. Hier kannst Du  auf Änderungen hinwirken, jedoch spielen andere Menschen eine wesentliche Rolle. Ein Beispiel sind unproduktive Abteilungs-Meetings.

Gelb: Jenseits-Zone. Hat der CEO gerade beschlossen, Trainingsbudget und Kundendienst zu schrumpfen? Daran kannst Du nichts ändern.

Wie sieht Dein Ergebnis aus? Meist verteilen sich die Auslöser der Jobfrustes auf alle drei Zonen. Falls Du jedoch alle Auslöser Deines Frustes in den äußeren Ring gepackt hast, bist Du im Opfermodus. Dann machst Du andere Menschen und äußere Umstände dafür verantwortlich, wie es Dir geht.

Statt dessen ist Selbstverantwortung gefragt - übrigens auch für die Widrigkeiten der orangen und gelben Zone. Paradox? In Teil 3 erfährst Du mehr dazu.

Was hast Du davon, wenn Du die drei Methoden ausprobierst? Klarheit und Fokus:

  • ​Du gewinnst eine fassbare bildliche Darstellung deines Problems
  • Dir wird klar, welche Faktoren Dich bisher in der frustrierenden Situation festhalten
  • Du fokussierst Dich auf Deine Verantwortungszone, in der Du Dinge selbst verändern kannst

Und was mache ich dann, fragst Du Dich vielleicht? Im Teil 3 der Serie schauen wir uns drei Selbst-Coaching-Methoden an, mit denen Du schrittweise aus der Frustration aussteigen kannst. Hin zu mehr Gelassenheit und Erfüllung in Deiner Arbeit.

Wenn Du magst, teile bitte Deine Erfahrung mit uns unten in einem Kommentar. Welche Wege hast Du für Dich gefunden, mit Frust im Job umzugehen? Ich wünsche Dir eine sinnerfüllte und gelassene Woche. Christine






















Christine Radomsky

Träumst Du von einem Neuanfang im Job? Dr. Christine Radomsky begleitet Fachexperten und Führungskräfte 50plus zu ihrem erfolgreichen beruflichen Neustart. Tiefe und späte berufliche Umbrüche kennt sie aus eigenem Erleben: Von der Physikerin zur Softwareentwicklerin und Validiererin, von der Teamleiterin zum Coach. Sie ist Spezialistin für Selbstführung und lebenslange Persönlichkeitsentwicklung. Für lebenserfahrene Menschen im beruflichen Umbruch, die in einer Welt schnellen Wandels erfüllter leben wollen, leitet sie Online-Workshops - gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Michael Radomsky. Auf ihrem SinnCoach-Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Anregungen für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.

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