Brücken bauen #darumfrieden

​Als ich ein Kind war, brachte mir mein Vater eines Tages von einer Dienstreise einen kleinen Karton mit. Mit leuchtenden Augen erzählte der sonst so sachliche Mann von Sarajevo - der drittgrößten Stadt im damaligen Jugoslawien. Von den Steinbrücken, die sich über den Roten Fluss wölben, den Kirchen, Moscheen und Synagogen, den grünen Hügeln rund um die Stadt und ihren lebensfrohen und gastfreundlichen Menschen.

​Neugierig enthüllte ich Vaters Geschenk und entdeckte einen kupferfarbenen Kaffeekocher, ein Zuckerdöschen und zwei weiße Porzellanschälchen. Aus meiner Kindheit habe ich kaum etwas aufgehoben, doch dieses Kaffee-Set steht heute noch bei meinen Lieblingsbüchern im Regal.

​Ahnst du schon, was diese Kindheitserinnerung mit dem Titel des Blogartikels zu tun hat? In diesem Artikel möchte ich dir nicht nur von Sarajevo erzählen, sondern dich auch zu zwei Möglichkeiten einladen, wie du selbst mehr Frieden finden und ausstrahlen kannst.

​Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade #darumfrieden ​des Weltfriedensdienstes. Vielen Dank für die Einladung!

Brücken bauen - Sarajevo - #darumfrieden

Brücken zerstören geht leichter als Brücken bauen

​Als meine eigenen Kinder aufwuchsen, verwüstete ein grausamer Bürgerkrieg Sarajevo. Von den grünen Hügeln am Rande der Stadt schossen Scharfschützen der bosnisch-serbischen Armee auf alles, was ihnen in der belagerten Stadt vor die Augen kam. 1425 Tage blieb das Stadtzentrum eingeschlossen, mehr als 10000 Menschen verloren ihr Leben, darunter 1601 Kinder.

​Vielleicht erinnerst du dich – den Zerfall Jugoslawiens begleiteten in den 1990er Jahren mehrere blutige Kriege auf dem Balkan. Die militärische Gewalt ging zunächst von serbischen Militärs aus, doch militante Nationalisten aller Seiten stachelten zu Grausamkeiten an, die noch heute viele Serben, Kroaten und Bosniaken in verfeindete Ethnien spalten.

​Erst im Oktober 2018 bin ich das erste Mal in Sarajevo, das heute in der Republik Bosnien-Herzegowina liegt. Die einst zerstörten Brücken wölben sich wieder über dem Roten Fluss. Viele Bürgerhäuser aus der Habsburger-Zeit sind restauriert, bei anderen tragen die Fassaden immer noch Spuren von Geschossen. Auf den Boulevards und bunten Märkten der Innenstadt pulst das Leben. Doch das ist nur das, was man sieht. Ich frage mich, welche Narben die Menschen auf ihren Herzen tragen, die den Krieg ​durchlebt haben.

​Brücken bauen: Wahlbeobachtung für die OSZE

​Der Bus, der unser Team in die Republika Srpska im Norden von Bosnien-Herzegowina bringt, fährt durch bezaubernde Landschaften​. Jenseits des Flusses sehe ich abgeerntete kleine Maisfelder, bewaldete Hänge mit bunter Herbstfärbung, Weinberge, Pferde und Schafe auf fruchtbaren Weiden. Doch wenige Bilder sind es, die sich in mein Herz graben: Immer wieder tauchten mitten in der Landschaft weiße Stelen auf – kleine und große. Zur Erinnerung an die Kinder und Erwachsenen, die genau hier umgebracht wurden. Auf dieser Wiese, auf diesem Feld.

​Ich bin nicht als Urlauberin hier, sondern als eine von mehr als 300 internationalen Wahlbeobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ​Das ist kein Job, sondern ein Ehrenamt. Warum ich das mache? Nicht nur, weil ich neugierig auf andere Menschen und Kulturen bin.

​Mich bewegt noch ein anderes Motiv. Ich glaube fest daran: Solange Menschen ihre Konflikte fair austragen und ihre politischen Vertretungen nach demokratischen Spielregeln wählen, gibt es Hoffnung auf ein besseres Leben für viele. Denn: Menschen, die gemeinsam wählen, schießen nicht aufeinander.

​Fairness und menschliche Entwicklung sind mir wichtig. Dafür bin ich gern etwa zehn Tage pro Jahr unterwegs – das ist mein Sandkorn, das ich beitragen möchte. Wenn du wissen willst, was unsere Wahlbeobachtungs-Mission bei den Oktober-Wahlen in Bosnien-Herzegowina 2018 herausgefunden hat, findest du hier einen Zwischenbericht (Englisch).

Frieden für Potenzialentfaltung und Kooperation

Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten. - Dalai Lama 

​Frieden ​bedeutet so viel mehr als die Abwesenheit von Krieg und physischer Gewalt.
Wir alle haben ein zutiefst menschliches Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit – in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft. Und so ​sehe ich Frieden ​​nicht als einen idyllischen Zustand, sondern als einen Weg, der genau dieses Bedürfnis stillt.

​Als Coach ​begleite ich Menschen ab der Lebensmitte dabei, ​einen neuen, sinnerfüllten Job zu finden. Dabei erlebe ich immer wieder: Potenzialentfaltung wie auch echte Kooperation werden erst möglich, wenn sich Menschen hinreichend sicher, wertgeschätzt und miteinander verbunden fühlen.

​Doch vielen Menschen ​​fehlt genau das. Wie ist es bei dir im Alltag? Wie oft fühlst du dich nicht wertgeschätzt, vielleicht sogar abgebügelt – sei es am Arbeitsplatz, in der Familie oder im öffentlichen Raum?

​Leider setzt ein Großteil unserer Wirtschaft (und Gesellschaft) immer noch auf Maximalprofit und Konkurrenz – ein ​untaugliches Prinzip, wenn man an die riesigen Herausforderungen wie  Klimawandel und soziale Ungleichheit denkt, die nur durch Kooperation im Kleinen wie im Großen bewältigt werden können.

​Immerhin ändert sich an vielen Stellen etwas – sei es in sozialen Unternehmen, in Firmen, die „New Work“ erproben, aber auch in Schulen wie der meines Enkels, die offenen Austausch und Kooperation in Kleingruppen fördern.

​Und gut zu wissen, dass jeder von uns etwas für ein friedliches, wertschätzendes Miteinander tun kann.

​D​och wie geht das? ​Vielen Menschen fällt es schwer, mit anderen (und sich selbst) einfühlsam umzugehen. Was können wir also tun, um unsere Fähigkeit zur friedvollen, wertschätzenden Kommunikation zu stärken? Hier möchte ich dir zwei wirksame Möglichkeiten vors​tellen.

​Brücken bauen mit Gewaltfreier Kommunikation

​​​Lange Jahre glaubte ich, dass ich ernst​hafte Konflikte am besten bewältige, wenn ich entweder möglichst clever und nachdrücklich argumentiere, um den anderen von meiner Position zu „überzeugen“ - oder zurückstecke, je nach Situation. Dann war ich Siegerin oder Verliererin. Beides fühlte sich ​selten gut an. Einen Kompromiss konnte ich mir auch noch vorstellen, doch dass es noch eine ​​andere Möglichkeit gibt, wusste ich nicht.

​Und so ging mir erst 2010 in einer Mediations-Ausbildung eine Licht auf. Damals entdeckte ich die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) von Rosenberg.

​​Mit Gewaltfreier Kommunikation gelingt es​, die Wahrnehmungen, Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen (und von sich selbst) besser zu verstehen. Sie lässt uns Brücken bauen über trennende Gräben und ​nachhaltige Win-win-Lösungen finden.

​Die GfK ist nicht nur eine Methode, sondern beginnt mit einer Haltung. Statt uns auf das zu konzentrieren, was uns vom anderen trennt, sehen wir dann vor allem das, was uns verbindet – menschliche Bedürfnisse und Emotionen. Mit dieser Haltung bewerten wir den Konfliktpartner nicht, sondern erkunden neugierig seine Sicht der Dinge. Anstrengend? Na klar! Aber lohnenswert.

​In diesem Blogartikel liest du mehr darüber und findest auch einen „Spickzettel“ zu den vier Schritten der GfK.

​Metta-Meditation: Wie wir uns besser mit uns selbst und anderen verbinden

​Doch es ist nicht immer leicht, Gefühle und Bedürfnisse wertungsfrei wahrzunehmen. Denn: Wie schnell sind wir mit kritischen Urteilen bei der Hand und packen andere Menschen – und uns selbst – in simple Schubladen.

​Deshalb möchte ich dir noch eine weitere wirksame Möglichkeit vorstellen, wie du dich mit dir selbst und anderen besser emotional verbinden kannst. Sie ist uralt und entstammt der buddhistischen Meditationspraxis. Bei der Metta-Meditation (etwa: liebende Güte) sendest du freundliche Gedanken und Wünsche - zunächst dir selbst, dann einem lieben Menschen und zum Schluss einem Fremden, den du bisher vielleicht sogar als Gegner angesehen hast. 

​Klingt seltsam? ​Probier es aus! Hier eine Kurzfassung ​(12 min).

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​Liebe Leserin, lieber Leser, wie ging es dir mit der Metta-Meditation? Welche Gedanken und Gefühle steigen in dir auf, wenn du an Brücken bauen und Frieden denkst? Ich freue mich, wenn du etwas davon in einem Kommentar mit uns teilst.

Hab ein ​friedvolles neues Jahr mit vielen Momenten der Verbundenheit!
Herzlichst
Christine

Christine Radomsky

Träumst Du von einem Neuanfang im Job? Dr. Christine Radomsky begleitet Fachexperten und Führungskräfte 50plus zu ihrem erfolgreichen beruflichen Neustart. Tiefe und späte berufliche Umbrüche kennt sie aus eigenem Erleben: Von der Physikerin zur Softwareentwicklerin und Validiererin, von der Teamleiterin zum Coach. Sie ist Spezialistin für Selbstführung und lebenslange Persönlichkeitsentwicklung. Für lebenserfahrene Menschen im beruflichen Umbruch, die in einer Welt schnellen Wandels erfüllter leben wollen, leitet sie Online-Workshops - gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Michael Radomsky. Auf ihrem SinnCoach-Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Anregungen für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.

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