Dankbarkeit: Wie Du mit der Positiven Psychologie mehr Glück erlebst

Was macht manche Menschen glücklicher als andere? Welche Rolle spielen unsere Gene dabei? Wie wichtig sind die äußeren Umstände? Und was können wir selbst tun, um mehr Glück zu erleben? Diese Fragen ergründet ein noch junger Wissenschaftszweig – die Positive Psychologie.

Was ist Glück? Gitarrespieler über den Dächern von Lissabon

Was ist Glück? Gitarrespieler über den Dächern von Lissabon

Die Positive Psychologie - eine Wissenschaft für mehr Glück

In den 1990er Jahren von Martin Seligman begründet, nutzt sie Umfragen, Studien, Messungen, Statistiken.

Im Gegensatz zur traditionellen Psychologie, die den Schwerpunkt auf die Überwindung von Defiziten und psychischer Krankheiten legt, sucht die Positive Psychologie vor allem Antworten auf eine spannende Frage: Was lässt Menschen glücklich sein, was lässt sie erblühen?

Der Sinn des Lebens ist die Erhöhung von Zufriedenheit und Glück (Dalai Lama)

Viele Menschen treibt die Suche nach Glück um. Wenn Grundbedürfnisse wie physisches Überleben und ein Mindestmaß an Sicherheit gewährleistet sind – was kann es Wichtigeres geben in unserem kurzen Leben?

Glück ist zutiefst subjektiv. Für manche ist es vor allem innerer Friede, für andere das Erleben von Gemeinschaft oder von Freude und Spaß. Was ist es für Dich?

Trotz aller Subjektivität des Glücksbegriffes hat die Positive Psychologie einige Zusammenhänge nachgewiesen, die wir uns zunutze machen können.

Ein Bündel von Faktoren kann unsere Zufriedenheit fördern. Wie Du einen dieser Glücksfaktoren konkret ausbauen kannst, sehen wir uns nachher an.

Wie werden wir glücklicher? Unsere Wege zum Glück führen manchmal in die Irre. Eine Gehaltserhöhung oder das neueste Smartphone-Modell bescheren uns nur kurzfristig einen Anstieg des "Glückshormons" Serotonin. Wenn wir immer neuen materiellen Gütern hinterherjagen, beschleunigen wir die Spiriale ungebremster Konsumption, die ständig neue Wünsche erzeugt. Nachhaltige Zufriedenheit lässt sich so nicht erreichen.

Wie hoch ist Dein Glücksniveau?

Kann man Glück messen? Objektive Methoden wie Hirn-Scanning oder Messungen von Neurotransmittern erlauben bisher nur isolierte Einsichten. Deshalb wird das Glücksniveau meist an Hand von Selbstauskünften ermittelt. Die entsprechenden Glücks-Fragebögen sind oft umfangreich.

Dagegen finde ich einen simplen Test aus vier Fragen bestechend - die Subjektive Glücksskala der Psychologin Sonja Lyubomirsky [3]. Hast Du Lust, in zwei Minuten Dein subjektives Glücksniveau zu bestimmen? Notiere Dir die Zahlen bitte auf einem Papier.
Subjektive Glücksskala - Positive Psychologie

Was macht glücklich - Genetik, Umstände, eigene Praktiken?

Du fragst dich jetzt vielleicht, was Du mit Deinem subjektiven Glücksniveau anfängst.

Du kannst es als einen persönlichen Orientierungswert verwenden. Wenn Du über längere Zeit hinweg täglich etwas für Dein Glück tust, wirst du sehen, wie Dein Glücksniveau messbar steigt.

Dagegen macht wenig Sinn, Dein Glücksniveau mit dem anderer Menschen zu vergleichen. Denn die Neigung von Menschen, Glück zu empfinden, ist zu etwas 50 % genetisch bedingt, meint Sonja Lyubomirsky [2]. Es gibt also Menschen, die tendenziell mehr oder auch weniger dazu neigen, Glück zu empfinden als Du. Daran kannst Du nichts ändern.

Weitere 10 % sollen durch äußere Umstände wie Gesundheit oder Wohnung bedingt sein.

Die gute Nachricht:
Etwa 40 % unseres Glücksempfindens haben wir selbst in der Hand. Stell Dir vor:

Glück ist wie eine Pflanze. Wir können sie kultivieren und ihr durch Wasser, Dünger und einen sonnigen Standort dabei helfen, zu wachsen und zu blühen.

Die Positive Psychologie hat bereits ein umfangreiches Arsenal solcher "Nährstoffe" zusammengetragen. In loser Folge stellen wir diese Glücksfaktoren und ihre praktische Anwendung im SinnCoach-Blog vor. Heute schauen wir uns einen Faktor an, der unscheinbar, aber erstaunlich wirkungsvoll ist – Dankbarkeit.

Die Macht der Dankbarkeit

Das Negative und das Fehlende fallen uns eher auf als das Positive und gut Funktionierende in unserem Leben. Kommt Dir das vertraut vor?

So ging es schon unseren Urahnen in der Steinzeit, denen der Blick auf Mangel und Gefahren beim Überleben half. Heute ist unsere Existenz in der Regel gesichert, doch wir ticken immer noch ähnlich wie unserer Vorfahren.

Wieviel Grund wir zur Dankbarkeit haben, fällt uns oft nur auf, wenn wir die Lebensumstände anderer Menschen hautnah erfahren.

Ein Beispiel? Unlängst war ich in der Kaukasus-Republik Georgien in einer Region, die immer noch von einem – längst geschlossenenen - Metallurgie-Kombinat geprägt ist. Wasser aus der Leitung zu trinken, kann dort böse Folgen haben.

Wieder zu Hause habe ich ganz bewusst zelebriert, den Wasserhahn aufzudrehen und das reine Wasser zu genießen. Dafür bin ich dankbar, auch heute noch.

Doch um für Gewohntes dankbar zu sein oder zu werden, müssen wir nicht reisen.

Ich lade Dich zu einem kleinen Experiment ein, einem Dankbarkeits-Tagebuch. Martin Seligman und seine Kollegen haben nachgewiesen, dass diese Praxis das Glücksniveau vieler Menschen deutlich verbessert [1].

Dafür brauchst Du sie nicht jahrelang anzuwenden. Gut zu wissen: Schon nach drei Wochen zeigen sich positive Auswirkungen.

Dankbarkeits-Tagebuch (Positve Psychologie)

Wie wirkt Dankbarkeit in Deinem Leben? Hast Du bereits Erfahrungen mit einem Dankbarkeits-Tagebuch? Wenn Du Deine Erfahrungen mit uns teilen möchtest, schreibe bitte unten einen Kommentar.

Quellen:
[1] Seligman, Martin: Flourish - Wie Menschen aufblühen: Die positive Psychologie des gelingenden Lebens
[2] Lyubomirsky, Sonja et al: Pursuing happiness: The architecture of sustainable change
[3] Biswas-Diener, Robert. Practicing Positive Psychology Coaching. Assessments, Activities and Strategies for Success
[4] thnx4.org - Online Gratitude Journal of Greater Good Science Center, University of California, Berkeley (Englisch)

Veröffentlicht von

alcudina.de

Dr. Christine Radomsky ist Sinn-Coach und Spezialistin für Selbstführung. Als Coach und Trainerin unterstützt sie ambitionierte Berufstätige in der zweiten Karrierehälfte, einen späten Karrierewechsel oder den Einstieg in den (Un)Ruhestand vorzubereiten. Auf ihrem SinnCoach-Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Gedanken und praktische Tipps für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.

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