Geheimtipp zum optimalen Grübeln (Selbstführung konkret)

Manchmal möchte ich ein Eichhörnchen sein. Unseres haben wir Fridolin getauft. Im Herbst balanciert es mehrmals täglich mit einer Nuss im Maul über unseren Gartenzaun, um die Beute irgendwo zu verbuddeln.

Nachbars Kater hat es auf Amseln und Eichhörnchen abgesehen, vor kurzem hat er Fridolin fast erwischt. Nur mit einem gewagten Sprung in die Schwarzkiefer entkam das Eichhörnchen der Gefahr. Gleich danach turnte es munter weiter.

Ich glaube nicht, dass es sich Sorgen macht, obwohl der Fressfeind in Nachbars Garten lauert. Tiere können das nicht, im Gegensatz zu uns Menschen mit unserer weit entwickelten Großhirnrinde.

Kennt keinen Stress, kein Grübeln - das Eichhorn

CC0 pixabay.com

Der Cortex, dieses Wunderwerk der Evolution, hilft uns, vorausschauend Gefahren zu erkennen und ihre Abwehr zu planen. Doch was ein Segen ist, wird leicht zum Fluch.

Wie Dich die graue Stunde zum Grübeln einlädt

Kennst Du die graue Stunde zwischen drei und vier Uhr morgens? Wenn Du jemals um diese Zeit wach gelegen und gegrübelt hast, weißt Du, wovon ich rede. Diese Stunde ist perfekt geeignet, um sich Sorgen zu machen. Um unerledigte Aufgaben, Deine Gesundheit, andere Menschen – einfach alles.

Warum ist das so? Um diese Zeit ist der Hirnstoffwechsel auf Regeneration und Gedächtnisbildung eingestellt. Die Konzentration des „Zeitgeber-Hormons“ Melatonin erreicht gegen drei Uhr nachts ihren Höchststand [1]. Am besten, wir verschlafen diese Zeit, denn Melatonin fördert das Grübeln und negative Gedanken. Um diese Zeit haben wir vom Hormonpegel her eine kleine Depression.

Falls Du jedoch wach liegst und Deine Sorgen gehörig vergrößern willst, hier ein Geheimtipp. Ich habe ihn im Selbstversuch erprobt.

GEHEIMTIPP: Nutze die graue Stunde zum optimalen Grübeln 🙂

  1. Schlaflose Nachtstunden sind ideal für Gedankenschleifen geeignet. Für den Anfang könntest Du darüber nachdenken, was in der Vergangenheit alles schief gelaufen ist.
  2. Anschließend malst Du Dir detailreich eine problematische Zukunft aus. Was wird sein, wenn Dir das Geld ausgeht und Du die Wohnung nicht mehr bezahlen kannst? ... Falls Deine eigenen Sorgen nicht ausreichen, mach Dir zusätzlich Sorgen um andere. Vielleicht um Deinen Sohn, der ohne Dich in einer fremden Stadt garantiert vor die Hunde geht.
  3. Abschließend könntest Du Dich noch darüber sorgen, dass Stress-Hormone gerade deinen Körper fluten. Dass Du vor lauter Sorgen nicht schlafen kannst und am nächsten Tag garantiert müde sein wirst.

Klingt das vertraut? Eines ist sicher:
Mit Deinem in der Nacht leicht depressiven Hirn wirst Du keines dieser echten oder eingebildeten Probleme lösen.

Alternativ kannst Du Deine Sorgen aber auch entwaffnen.

Schritt 1: Leg ein Notizbuch mit Stift neben Dein Bett. Falls Du aufwachst und nicht wieder einschlafen kannst: Schreib in Stichworten auf, worüber Du grübelst. Lass die Sorgen aus deinem Kopf in die geschriebenen Worte gleiten.

Schritt 2: Am nächsten Tag schaust Du Dir Deine Notizen an. Manche Sorgen haben sich verflüchtigt, andere sehen nun harmloser aus. Frage Dich bei jedem Thema:
* Fällt es in meine Zuständigkeit (oder eher in die eines anderen Menschen)?
* Ist es ein Thema von heute (oder einer hypothetischen Zukunft)?
Falls die Antwort auf eine Frage „nein“ lautet, kannst Du das Thema streichen.

Schritt 3: Falls jetzt noch eine Sorge übrig ist – frage Dich, was Du heute tun kannst, um sie zu entschärfen. Ein erster kleiner Schritt reicht. Und dann geh ihn.

Wenn Du wieder einmal zur grauen Stunde aufwachen solltest, liegst Du vielleicht immer noch eine Weile wach. Doch das macht nichts. Nachdem Du Deine Sorgen dem Notizbuch anvertraut hast, ist es Zeit zum Genießen. Spür Deinen angenehm entspannten Körper, Deinen ruhigen Atem und die kuschelig warme Bettdecke....

Vielleicht huscht schon bald schon ein rostrotes Eichhörnchen mit buschigen Ohren durch Deinen Traum.

Was hilft DIR dabei, der Grübel-Falle zu entgehen? Ich freue mich, wenn Du einen Kommentar über Deine Erfahrungen schreibst.

Quellen

[1] lecturio.de: Schlafstörungen
[2] Dale Carnegie: Sorge Dich nicht, lebe

Veröffentlicht von

alcudina.de

Dr. Christine Radomsky ist Sinn-Coach und Spezialistin für Selbstführung. Als Coach und Trainerin unterstützt sie ambitionierte Berufstätige in der zweiten Karrierehälfte, einen späten Karrierewechsel oder den Einstieg in den (Un)Ruhestand vorzubereiten. Auf ihrem SinnCoach-Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Gedanken und praktische Tipps für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kenne ich auch. Ich hab auf diesem Weg die Meditation für mich entdeckt. Hinsetzen mit Kerze an dem Ort, der dafür passt (nicht Schlafzimmer) und nur dafür da ist. Aber das mit der depressiven Stunde ist interessant, das wusste ich nicht und ich finde das erklärt vieles.

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