Lebenslanges Lernen #3: Warum Du auch beim Älterwerden nie damit aufhören solltest (Teil 3 der Serie)

Pantoffeltierchen und meine Lust am Lernen

Meine Faszination für das Lernen verdanke ich meinem Vater und dem Pantoffeltierchen. Noch heute sehe ich das Bücherregal vor mir, das sich bis zur Decke von Vaters Arbeitszimmer erstreckte. In der dritten Klasse entdeckte ich, welche Schätze dort versteckt waren. Wie so oft hatte ich meinen Vater nach etwas gefragt, was ich nicht kannte. "Was ist ein Pantoffeltierchen?" Doch von diesem Tag an war alles anders. Vater antwortete mir nicht geduldig wie bisher, sondern drückte mir eines seiner Bücher in die Hand. Nach dem ersten Schock lernte ich schnell, mit Büchern umzugehen. Das Lernen hat mich seitdem begleitet – Studium, Bücher, Seminare, Internet-Ressourcen, Online-Kurse.

Älterwerden und Lebenslanges Lernen

Ab und zu gebe ich einen Kurs an der Volkshochschule. Das macht mir viel Spaß, weil die Teilnehmer unglaublich motiviert sind. Sie kommen aus eigenem Antrieb und lernen selbstbestimmt. In Firmen-Seminaren habe ich das dagegen schon anders erlebt. Neben motivierten Teilnehmern sitzen hier auch Menschen, denen nur der Chef diese Weiterbildung ans Herz gelegt hat.

Lernen denn nicht alle Menschen leidenschaftlich gern? Kinder tun es – neugierig und mit Ausdauer. Bei Erwachsenen ist es unterschiedlich.

Was sagen die Daten?

Aller fünf Jahre führt die EU eine Umfrage zur Erwachsenenbildung in ihren Mitgliedsländern durch (Adult Education Survey AES). Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung hat die AES-Daten 2012 für Deutschland genauer unter die Lupe genommen [1]. 7000 Erwachsenen unter 65 Jahren wurden danach gefragt, inwieweit sie sich in den letzten 12 Monaten beruflich oder privat weitergebildet hatten. Weiterbildung ist hier weit gefasst. Eine Erste-Hilfe-Ausbildung oder auch eine zweistündige Arbeitsunterweisung gehören auch dazu. Die Resultate haben mich verblüfft.

Lebenslanges Lernen in DE
In der EU bilden sich nur 40 % der Menschen zwischen 25 und 64 Jahren weiter. Meist nehmen sie an Bildungsveranstaltungen teil, die direkt mit dem Beruf zu tun haben. Eine Minderheit der Kurse dient der persönlichen Weiterentwicklung. Deutschland liegt mit ca. 50 % über dem EU-Durchschnitt, doch verglichen mit Schweden (ca. 70 %) ist noch viel Luft nach oben. Drastisch formuliert:

50 % der Menschen unter 65 in Deutschland lernen NICHT lebensbegleitend.

Was mich befremdet - die Umfrage des Adult Education Survey blendet Menschen ab 65 Jahren komplett aus.

Genauer hinschauen

Die Bildungsforscher haben herausgefunden, dass dieser Mittelwert große soziodemografische Unterschiede verdeckt. Alter und vor allem Bildungsniveau sind wichtige Faktoren, wie die nächsten beiden Diagramme zeigen.
Erklärung: Die Weiterbildungs-Beteiligung wurde normiert - das heißt, relativ zur mittleren Altersgruppe bzw. zum mittleren Bildungsniveau ermittelt.

1. Menschen höherer Altersgruppen bilden sich weniger weiter

Lebenslanges Lernen für Ältere - Weiterbildung und Lebensalter

2. Menschen mit hohem Bildungsniveau bilden sich stärker weiter.
Der statistische Einfluss des Bildungsniveaus ist deutlich stärker als der des Lebensalters.

Lebenslanges Lernen für Ältere - Weiterbildung und Bildungsniveau

Jenseits aller Statistik gilt:
3. Es gibt große individuelle Unterschiede.

Lebenslanges Lernen für Ältere - Warum Du gerade in den Jahren vor und nach dem Berufsausstieg weiter lernen solltest

Lebenslanges Lernen ist nicht nur an die Erwerbsarbeit gebunden. Für Ältere ist Lernen besonders wichtig, weil es neue Fähigkeiten und Kontakte ermöglicht und die Selbstbestimmung fördert. Die Hirnforschung hat in den letzten Jahren nachgewiesen, dass das Hirn – Gesundheit vorausgesetzt – bis ins hohe Alter plastisch ist. "Use it or lose it" gilt jedoch auch hier. Nutze Dein Gehirn also lebenslang, um anspruchsvolle Dinge zu lernen, die Dir Spaß machen.

Was gibt es, was Du immer schon einmal lernen wolltest, jedoch bisher zurückgestellt hast? Wie ist Deine Meinung zum Lebenslangen Lernen für reife Menschen? Du bist herzlich eingeladen, einen Kommentar zu schreiben.

Mehr zur Serie Lebenslanges Lernen
Lebenslanges Lernen #1: Warum es glücklich macht und wie Du es anfängst (Teil 1 der Serie)
Lebenslanges Lernen #1: Wie ein Wachstums-Mindset Dir beim Lernen hilft (Teil 2 der Serie)

Quellen
[1] Bilger, Frauke et al. Weiterbildungsverhalten in Deutschland. Resultate des Adult Education Survey 2012. Deutsches Institut für Erwachsenenbildung
[2] Seiwert, Lothar. Das neue Zeit-Alter. Warum es gut ist, dass wir immer älter werden.

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Veröffentlicht von

alcudina.de

Dr. Christine Radomsky ist Sinn-Coach und Spezialistin für Selbstführung. Als Coach und Trainerin unterstützt sie ambitionierte Berufstätige in der zweiten Karrierehälfte, einen späten Karrierewechsel oder den Einstieg in den (Un)Ruhestand vorzubereiten. Auf ihrem SinnCoach-Blog unter alcudina.de/sinncoach_blog teilt sie Gedanken und praktische Tipps für lebenslange persönliche Entwicklung und ein sinnerfülltes Leben.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Da bin ich voll und ganz einverstanden. Es soll ja jemand einmal gesagt haben (ob es tatsächlich Luther war, ist nicht so sicher), dass er noch ein Apfelbäumchen pflanzen würde, wenn er wüsste, dass morgen die Welt unterginge. Nun, ich würde in dieser Situation noch etwas Neues lernen wollen, und sei das «nur» ein neur Song.

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